Geschichten aus dem Corona-Alltag der BDS

14Apr

Corona ist auch eine Zeit des Lernens

Seit über drei Wochen ist unser Kinder- und Jugendzentrum „Kinder in die Mitte“ wegen der Corona- Krise geschlossen. Verbrachten wir die erste Woche noch damit, uns den vielen liegengebliebenen Dingen zu widmen, fragten wir uns doch parallel, wie lange womöglich dieser Status Quo anzuhalten vermag. Wir stellten uns die Frage, wie wir in dieser Ausnahmesituation den Kontakt zu den Kindern und Familien halten und gleichzeitig sie unterstützen können.  

Viele selbstständige Freunde, aber auch Fremde aus unterschiedlichen Bereichen begannen schnell kreative Lösungen zu finden, um weiterhin ihre berufliche Existenz aufrecht erhalten zu können. Schon ein paar Tage nach dem Shutdown gab es den Gitarrenunterricht via Skype, den Yogakurs online. Es erschien uns daher naheliegend, den Versuch zu wagen, unser Projektangebot ebenfalls digital anzubieten.  

An einem Freitag entschieden, tüftelten wir jeder für sich und gemeinsam an dem ersten digitalen Wochenplan für „Kinder in die Mitte“. Am Montag Abend, nach dem Bewältigen einiger größerer und kleinerer Widrigkeiten, konnten wir unser Angebot an die Kinder und deren Familien verschicken.  

Was uns noch vor drei Wochen undenkbar erschien, erweist sich in dieser außergewöhnlichen Zeit als sinnvoll und wirksam. Unsere Kinder und Eltern freuen sich über unsere regelmäßig wechselnden Angebote und bauen sie in ihren Alltag ein. Insbesondere unsere wöchentliche Kinderkonferenz via Zoom – alle gemeinsam an unserem großen virtuellen Tisch- wird sehr geschätzt. Es ist in diesen Momenten tatsächlich ein klein wenig so als würden wir gemeinsam bei „Kinder in die Mitte“ sitzen und uns austauschen. Und auch wenn unser Online- Angebot natürlich nicht den „normalen“ Projektalltag ersetzen kann, ist es in dieser ungewöhnlichen Zeit eine gar nicht mehr so ungewöhnliche Lösung, die uns die Kinder, auch über soziale Distanz, nahebringen kann.  

Ich habe vieles in diesen drei Wochen gelernt. Ich habe gelernt, dass neue Medien und Tools nicht nur dem Zeitvertreib dienen, sondern richtig eingesetzt, viele und vieles erreichen können. Auch das digitale Lernen sehe ich, insbesondere als Mutter, seit drei Wochen mit anderen Augen. Meine vorher kritische Stimme, dass Lernen am Computer, insbesondere in der Grundschulzeit weder notwendig noch zielführend sei, ist in der Zeit von Corona durch die tägliche Erfahrung verstummt.  

Ich habe gelernt, dass ich die besten Arbeitskolleg*innen habe, die ich mir wünschen kann. Ich sehe, wie gut wir uns in dieser besonders herausfordernden Zeit, aufeinander verlassen können. Wie wunderbar wir uns ergänzen und dass unsere unterschiedlichen Schwerpunkte von unschätzbarem Wert sind.  

Privat habe ich gelernt, dankbar zu sein für die noch so kleinen Momente im Leben. So vieles wird gerade täglich in Relation gesetzt und ich lerne, dass der Augenblick, das Hier und Jetzt zählt.

S. Winschu, Leitung Kinder in die Mitte

Corona-Wochenplan