Geschichten aus dem Corona-Alltag der BDS

26Mar

Und auf einmal ist man selbst betroffen

Noch vor zwei oder drei Wochen machte ich Witze, nahm die Sache nicht wirklich ernst… „Alles Panikmache, wird schon nicht so schlimm werden“. Wo immer jemand hustete, lachte man und irgendjemand sagte „oh oh Corona“. Betroffen über Bilder und Geschichten aus China, schien Corona weit weg und die aktuelle Situation unvorstellbar. Und dann ging es auf einmal Schlag auf Schlag. Die Tagesschau App bringt eine Eilmeldung nach der anderen. Die Bethanien Stiftung schließt KiTas und Jugendzentren. Auch unser basement26.  

Mittlerweile wird man leiser und besonnener. Das Virus kommt näher und verbreitet sich. Verschont davon scheint nun niemand mehr. Bilder und Berichte von einer Freundin aus Italien machen fassungslos und traurig. Und dann ein Anruf… jemand aus meiner Familie könnte sich mit Corona infiziert haben. Bis zum Testergebnis wird allen Kontaktpersonen empfohlen, zuhause zu bleiben. Und spätestens da wurde mir bewusst, wie nah und real nun alles ist. Und trotzdem dachte ich das ein oder andere Mal, ich würde gleich aus einem merkwürdigen Albtraum erwachen.  

Nachdem der erste Schock überwunden war, habe ich versucht mich wieder zu besinnen und Menschen zu informieren, mit denen ich näher Kontakt hatte. Neben dem Gefühl der Angst um den 90jährigen Opa und die restlichen Familienmitglieder, schlich sich auch ein leichtes Gefühl der Scham und des schlechten Gewissens ein. Was, wenn ich nun das Virus weitergetragen habe? 

Gott sei Dank sind alle gesund, das Ergebnis war negativ. Alle atmen erst einmal auf.

In dieser einen Woche voller Angst, Sorge und der Isolation gab es Dinge, für die ich sehr dankbar war. Dinge, die ich schon immer schätzte aber nun noch einmal mehr und intensiver schätzen gelernt habe. Einmal mehr ist mir bewusst geworden, wie gesegnet und privilegiert ich lebe. Geliebt, frei, gesund, mit guter Arbeit, ohne materielle Mängel, mit perfektem Dach über dem Kopf inmitten der ländlichen Natur. All das gibt mir die Kraft Menschen zu helfen, denen diese Privilegien nicht zuteilwerden. Und auch in dieser Krise arbeiten wir weiter - versuchen weiter da zu sein, für die, die uns brauchen.

C. Lotz, Leitung Basement26

Quarantäne