Geschichten aus dem Corona-Alltag der BDS

26Apr

Mitten unter uns

„Was, Sie hier an der Tür?“ Frau D sieht mich mit fragenden Augen an. Sie war zum Altenheim gekommen, um etwas für ihren bei uns lebenden Ehemann abzugeben. Seit drei Wochen haben wir ein Besucherstopp für unser Haus. Ziemlich „zeitig“ hatte unsere Geschäftsführung reagiert, da waren im öffentlichen Leben nur Großveranstaltungen abgesagt. Bei uns wurden alle Angehörigen vorher informiert und doch gab es nach dem „Türen zu“ viele Angehörige, die sich das nicht wirklich vorstellen konnten. So führte unser Haus einen „Türdienst“ ein. Mitarbeiterinnen aus der Verwaltung, der Betreuung und ich als Seelsorgerin teilten uns in die Dienste (auch am WE) ein.

Am Anfang dachte ich noch, ich könnte in dieser Zeit Schreibtischkram erledigen. Aber dann wurde deutlich, was für eine gute Chance mir dieser Dienst bot, mit den Menschen ins Gespräch über ihre Ängste, Traurigkeiten, Unsicherheiten, Sorgen, aber auch ihre Dankbarkeit ins Gespräch zu kommen. Bei Bewohnern der Residenz, die bei uns im Staffelgeschoss wohnen und damit auch durch unsere Eingangshalle laufen, hatte ich manches Mal das Gefühl, sie kamen, um einfach mal einen Schwatz zu halten. Bewohner*innen, die eine Spaziergang machten, freuten sich mich zu sehen – schließlich hörte ich ja auch auf, ungezielt durch das Haus zu laufen.

Auch Mitarbeitende registrierten, dass auch ich als Seelsorgerin mich in das Unabdingbare fügte und damit auch artfremde Aufgaben übernahm. Manche hochgezogene Augenbraue kommentierte ich, genau wie Frau D`s Anfrage mit klaren Worten: „Warum denn nicht. Wenn ich Gottes Botenpersonal bin, dann ist das das Zeichen, das Gott mitten unter uns ist.“

B. Fahnert, Leitende Pastorin AGAPLESION BETHANIEN HAVELGARTEN

Hoffnung Corona